Wenn eine Depression den Menschen bedrängt

Dr. med. Shang Meier

Depression ist eine extrem häufige Erkrankung. „Weltweit ist sie die zweithäufigste Krankheit überhaupt“, erklärt Dr. med. Helena Shang Meier, Leitende Ärztin der Luzerner Höhenklinik Montana LHM. Da erstaunt es nicht, wenn es die LHM immer wieder mit solchen Fällen zu tun hat und entsprechende Kompetenz aufgebaut hat.

Der Begriff „Depression“ ist abgeleitet vom lateinischen Verb „deprimere“, was so viel wie „niederdrücken“ bedeutet. Und deshalb zeigt sich Depression vor allem in der Form psychischer Niedergeschlagenheit. Bekommt man dieses Symptom in die Wiege gelegt? Natürlich wirkt sich bei vielen Patienten die genetische Veranlagung aus, aber Dr. Shang Meier wehrt sich dagegen, alles auf die Vererbung abzuschieben. In sehr starkem Masse ist die Umgebung mitverantwortlich für das Entstehen einer Depression. Gewalt, Einflüsse am Arbeitsplatz, alles spielt hinein. Vielleicht ist ein Elternteil nicht mehr da, so dass eine wichtige Anlaufstelle für den Austausch fehlt. Dann bekommt ein Kind nicht mehr das, was es dringend braucht.

Dr. Shang Meier weiss: „Depressionen hängen damit zusammen, dass der Patient seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Das hinterlässt in der Psyche deutliche Spuren“. Kommen dann schwerwiegende Ereignisse hinzu (Trennungen, Todesfall), so stellt sich die Frage: Sind noch genug Ressourcen da? Dabei spielen soziale Netze eine wichtige Rolle. Menschen brauchen für das Zurechtkommen eine Vernetzung. Fehlt diese, wirkt sich das Manko aus: „Leute, die allein sind, haben eine schlechtere Lebenserwartung“.

Auf die Diagnose folgt in der LHM eine sorgfältige Behandlung. Nimmt der Patient diese Bemühungen an, erhöhen sich seine Chancen. Man sollte die Therapie aber auch nicht zu früh absetzen, oft muss der Klinikaufenthalt verlängert werden. Dabei ist es entscheidend, die Therapie individuell anzulegen, in Absprache mit dem Patienten. Nicht selten sind ausser der Psychotherapie noch andere Disziplinen gefragt. Das ist bei jenen Fällen, die in der LHM behandelt werden, fast die Regel, denn hierher kommen vielfach Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Depression, die schwierigeren Fälle also.

In der LHM lernt der Patient andere Menschen kennen. Es gibt also so etwas wie eine Vernetzung in der Klinik selber, etwas, was auf höchst natürliche Weise vor sich geht und dazu beiträgt, dass der Patient sein Problem teilen kann. Streckenweise erfolgt die Therapie in Gruppen, und einige Gruppen haben über den Klinikaufenthalt hinaus Bestand.

Wo sinnvoll werden Medikamente eingesetzt. Für Dr. Shang Meier ist die Erkenntnis wichtig, dass Antidepressiva – anders als Beruhigungsmittel – nicht abhängig machen. Sie sind nebenwirkungsarm.

Die Behandlung einer mittelschweren Depression dauert in der LHM rund vier Wochen. In dieser Zeit hat der Patient viele Einsichten gewonnen, die ihm weiter helfen. Vor allem bringt er mehr Verständnis für sich selber auf, weiss aber auch einiges über die Einflüsse des Umfeldes – Angehörige, Arbeitsplatz und anderes mehr. „Die Patienten gehen gestärkt nach Hause“, sagt Dr. Shang Meier, „sie wissen aber auch, dass es nicht reicht, einfach das Leben fortzusetzen und nichts mehr vorzukehren, damit Depressionen inskünftig ausbleiben“.

Die Anleitung bekommt der Patient von Fachleuten der Luzerner Höhenklinik Montana.

2 Antworten zu Wenn eine Depression den Menschen bedrängt

  1. Das ist sehr schön erklärt :)

    Ein Tipp von meiner Seite: Menschen mit Depressionen sollten sich in die Menschenmassen begeben und Freunde suchen. Bei mir hat die soziale Isolation damals zu Depressionen geführt. Glücklicherweise habe ich diese Zeit überstanden.

  2. Pingback: Der Tod spielt täglich mit | Luzerner Höhenklinik Montana

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

85 + = 94

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>